diplom/diploma

@academy of fine arts vienna, lehárgasse 6-8, 1st floor north, pavillon

march 12th 2020

    

 

das schwarze buch, 1[1] von anja nowak

 

 

das schwarze buch, 1 ist der beginn einer möglichen serie von schwarzen büchern. 

 

das schwarze buch, 1 wurde im november 2018 in einer auflage von 21 stück hergestellt. der formale inhalt des buches bezieht sich auf die wiederholte darstellung von rechtecken und mustern. zum einen repräsentieren die rechtecke den fotografierten schatten eines quaders, zum anderen sind es zeichnungen der schatten des quaders. die rechtecke im buch sind visuell ident, scheinen austauschbar und wiederholbar.

 

das außen des buches gleicht seinem inneren. das buch präsentiert sich als schwarzes rechteck, das die schatten im buch proportional abbildet. 

 

das buch selbst spricht von bewegung. erst die bewegung – in form eines sprungs – ermöglicht ein mögliches austreten aus mustern und ordnungen, und ein übergehen in eine eigenständige bewegung. 

 

die videodokumentationen im raum zeigen lesungen des schwarzen buches, 1, die im jahr 2019 in zusammenarbeit mit künstler*innen und kulturschaffenden entstanden sind. die lesungen sind interpretationen des schwarzen buches, 1, die unterschiede in format und ausdrucksform aufweisen. 

 

der pavillon als diplompräsentationsraum wird zum inneren des buches. durch ihn erhält die besucher*in zutritt in das buch. es befinden sich fünf quader im inneren des pavillons und ein quader außerhalb des pavillons. der quader, dessen schatten zu beginn fotografiert und gezeichnet wurde, kehrt als wieder-materialisiertes und vervielfältigtes element zurück und symbolisiert ein herausbewegen aus mustern und ordnungen. neben den quadern wird die ins buch eintretende besucher*in selbst zum bewegten/sich-bewegenden element: erst ihre bewegung ermöglicht ein erfassen des raumes. 

 

[1]buch: schwarzes buch, 1 (2018), eigenverlag, 132 S., 30 x 15 cm

video 1: chiara bartl-salvi und paul ebhart lesen anja nowak, 11:48 min hd, colour, sound, dokumentation vom 10.4.2019, fluc wien, kamera/schnitt: nestor janković

video 2: andreas spiegl liest das schwarze buch von anja nowak, 39:48 min hd, colour, sound, dokumentation vom 29.5.2019, salon für kunstbuch wien, kamera/schnitt: nestor janković

video 3: valentín pelisch liest anja nowak, 04:43 min hd, colour, sound, dokumentation vom 05.7.2019, sonnenland wien, kamera/schnitt: nestor janković

video 4: anna lerchbaumer liest anja nowak, 13:09 min hd, colour, sound, dokumentation vom 27.7.2019, gervasi wien, kamera/schnitt: nestor janković

video 5: katrin euller liest anja nowak, 14:24 min hd, colour, sound, dokumentation vom 05.9.2019, parallel vienna, kamera/schnitt: anja nowak

quader(2020): hartschaumstoff, gips, lack, 100 x 615 x 1270 cm

anmerkung 1 (die autorin liest)

das potenzial des sprungs tritt erst in beziehung zu anderen bzw. zu ihm ähnlichen aktivitäten ans licht. ich nehme deshalb eine einteilung in drei aktivitäten vor, um ihre verbindung zueinander aufzuzeigen und diese zu verstehen.

der sprung, der fall, der wurf verhalten sich visuell betrachtet ähnlich, insbesondere im moment des flugs, des sich in der luft befindens. aufgrund ihres ähnlichkeitsverhältnisses ermöglichen sie ein nachdenken über begriffe wie austauschbarkeit und wiederholbarkeit, und lassen fragen nach identität zu:

was macht den sprung aus?

was unterscheidet ihn vom fall?

in welchem verhältnis stehen aktivität und passivität zueinander?

sprung (springen): der sprung fordert aktivität. es gibt ein zeitliches davor (vergangenheit) und ein zeitliches danach (zukunft). der sprung selbst findet dazwischen statt. sein platz befindet sich da-zwischen: da-zwischen heißt nicht hier, sondern da – inmitten des örtlichen davor und einem örtlichen danach. 

der sprung stellt eine beziehung her. er verbindet das zeitliche wie auch das örtliche davor und danach. 

er selbst ist aktivität – so wie ein heraustreten oder ein gehen aktivitäten sind, die die beziehung zwischen dem davor und dem danach in sich tragen.

 

anders ist es mit dem fall (fallen): er trägt das verbindende eines sprungs in sich, ohne aktiv aktivität zu sein. der fall kann auch ein niedergang von etwas sein, etwas das verfällt, um in etwas anderes einzugehen/eingang zu erhalten.

 

ein geworfen-werden (wurf), ein herausgetreten-werden stellt ebenso verbindung her, die jedoch durch die aktivität von etwas oder eines anderen entfacht wird. in dem sinne ist es “passive aktivität”, in dem der, der aktiv wird, passiv bleibt und nur über das aktiv-werden von etwas oder eines anderen in die verbindung hineingebracht wird. es ist also eher ein bringen bzw. ein gebracht-werden an einen bestimmten ort zu einer bestimmten zeit.

 

 

anmerkung 2 (beweglichkeit der zeichen)

 

 

lesungen/lesen

 

der leser*in wird vermittelt, dass es sich beim vorliegenden gegenstand unverkennbar um ein buch handelt: der umschlag/das cover; aufeinander folgende seiten; ein text im buch, der ein oben und ein unten des buches vorgibt. 

 

wie lässt sich nun ein buch lesen, dass keine eindeutigen (i.s.v. unverkennbaren oder zweifelsfreien) zeichen zur dekodierung anbietet?

 

wie kann eine andere annäherung stattfinden?

 

das buch wird zu einem persönlichen buch, in dem sich die leser*in einen zugang schafft, der persönliche assoziationen legitim, ja notwendig, werden lässt: die leser*in schreibt ihre eigenen geschichten (ein). zudem hat sie durch die uneindeutigkeit der zeichen im buch die möglichkeit ihre geschichten verändern/umschreiben zu können. so, wie sich der mensch verändert und bewegt, so verändern und bewegen sich auch die geschichten im buch (mit ihm) – sie bleiben beweglich – das buch bleibt beweglich, solange die leser*in des buches in bewegung bleibt.

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