s c h w a r z e s   b u c h ,  2  

( b l a c k   b o o k ,  2 ) 

collaboration with arnold berger

2021

»das schwarze buch, 2« von anja nowak und arnold berger basiert auf den aufzeichnungen von personen unterschiedlichen alters, geschlechts, heterogener herkunft und muttersprache, die gebeten wurden, die worte »das schwarze buch« für eine audio-aufnahme aus- und einzusprechen. die entsprechenden sprachdateien wurden dann in ein audioprogramm importiert, das es ermöglichte, die schallwellen der eingesprochenen worte visuell aufzuzeichnen. diese schallwellenaufzeichnungen lieferten das visuelle material für nowak und berger, um damit ein buch zu gestalten, das die aus- und eingesprochenen worte in einer form wiedergibt, die sich dem herkömmlichen begriff einer schrift oder lesbarkeit entzieht. was sich »zeigt«, sind notationen, die visuell erfasst aber nicht zugeordnet werden können – weder einer konkreten person noch einer stimme oder einem wort, von dem nur die schallwellen übrig bleiben. die übersetzung des akustischen ausgangsmaterials in eine visuelle partitur neutralisiert und verschweigt die bedeutung, die mit den worten »das schwarze buch« zum ausdruck gebracht werden könnte. die visuelle spur verschluckt ihre phonetische herkunft genauso wie den sinn, der mit den wörtern noch in verbindung gebracht werden könnte. die aufgezeichneten stimmen verstummen, um in einem anderen licht in erscheinung treten zu können: dieses licht  beleuchtet deren differenz obwohl sie das gleiche sagen, die gleichen wörter aussprechen. die zeichnung der schallwellen konzentriert sich auf die stimmen unabhängig davon was sie sagen, entkoppelt von ihrem semantischen gehalt. sie sagen alle das gleiche, nur anders, wiederholen die gleichen wörter, um doch nur »die feinen unterschiede« zu betonen, die dem vermeintlich gleichen inhärent sind. suggeriert die verwendung der gleichen sprache und der gleichen wörter ein moment des gemeinsamen, das vermeinen eines verstehens über die individuellen differenzen hinweg, so spricht aus der aufzeichnung der stimmen ein polyphoner chor, der das ungleiche im gleichen zum ausdruck bringt. sie sagen das gleiche und sprechen untrennbar von etwas anderem, von einer differenz, die sie gemeinsam haben. das schwarze buch ermöglicht den augen, in diese »gem/einsamkeit« hineinzuhören.   

 

text andreas spiegl

"das schwarze buch 2" (the black book, 2) by anja nowak and arnold berger is based on the recordings of people of different ages, genders, heterogeneous origins and mother tongues who were asked to pronounce and record the words "das schwarze buch" for an audio recording. the corresponding sound files were then imported into an audio programme that allowed the sound waves of the spoken words to be displayed visually. these sound wave recordings provided the visual material for nowak and berger to create a book that reproduces the spoken and recorded words in a form that defies the conventional notion of writing or legibility. what is to be seen are notations that can be visually grasped but not attributed – neither to a concrete person nor to a voice or a word, of which all that remains are the sound waves. the translation of the acoustic source material into a visual score neutralises and conceals the meaning that could be expressed by the words "das schwarze buch". the visual track swallows up its phonetic origin as well as the meaning that could still be associated with the words. the recorded voices fall silent so that they can appear in a different light, a light that illuminates their difference even though they say the same thing, pronounce the same words. the drawing of the sound waves focuses on the voices independently of what they say, disconnected from their semantic content. they all say the same thing, only differently, repeating the same words but emphasising "the distinctions" inherent in what is supposedly the same. although the use of the same language and the same words suggests a moment of common ground, a presumption of understanding across individual differences, the visualisation of the voices gives expression to a polyphonic chorus that expresses the dissimilar in the same. they say the same thing and speak inseparably of something else, of a difference they have in common. the black book allows the eyes to listen into this "common/unique".   

 

translation to english david wright

video ©anja nowak